Vitamin D und Polyneuropathie

Der Begriff Polyneuropathie, kurz PNP, ist ein Oberbegriff, der bestimmte Erkrankungen des peripheren Nervensystems umfasst. Meist äussert sich die Krankheit in Kribbeln, Taubheit und Schmerzen in Armen und Beinen.

In der Fachliteratur sind bislang rund 600 Ursachen für eine Polyneuropathie beschrieben worden, in Europa zählt Diabetes mellitus (30 Prozent der Betroffenen) zu den häufigsten Auslösern.

Da nun bei Diabetikern, die unter einer Polyneuropathie leiden, meist auch ein niedriger Vitamin-D-Spiegel festzustellen ist, widmen sich viele Forscher den möglichen Zusammenhängen zwischen PNP und Vitamin-D-Mangel.

Vitamin-D-Mangel – Risikofaktor für Polyneuropathie

Professor Shehab und sein Team von der Kuwait University untersuchten bei 210 Patienten mit Diabetes Typ 2 – mit und ohne Polyneuropathie – für 8 Wochen die Vitamin-D-Konzentration.

Dabei stellten sie fest, dass der Vitamin-D-Status bei den Diabetes-Patienten mit Polyneuropathie signifikant niedriger war als bei den Studienteilnehmern ohne Polyneuropathie.

Mehr als 80 Prozent der Patienten mit der Diagnose Polyneuropathie und rund 60 Prozent der übrigen Diabetes-Patienten wiesen einen Vitamin-D-Mangel auf.

Zudem wurde festgestellt, dass es durch die Verabreichung von Vitamin-D-Ergänzungsmitteln zu einer Verbesserung der Symptome des Nervenleidens kam.

Die Wissenschaftler stuften anhand ihrer Studienergebnisse Vitamin-D-Mangel als einen unabhängigen Risikofaktor für die diabetische Neuropathie ein.

Professor Shehab vertritt die Auffassung, dass es bei bestehendem Diabetes ratsam sei, entsprechende Vitamin-D-Supplemente einzunehmen, um die Entstehung einer Polyneuropathie abzuwehren.

Fallbericht: Vitamin D lindert Symptome von Polyneuropathie

Des Weiteren hat sich auch David S. H. Bell, Professor an der University of Alabama School of Medicine, Birmingham, in einer Studie mit dem Kontext zwischen PNP und Vitamin D auseinandergesetzt.

In der Fallstudie stand ein 38-jähriger Patient im Fokus, der seit 27 Jahren an Diabetes litt und seit 10 Jahren starke neuropathische Symptome (Schmerzen, Prickeln an Händen und Füssen) zeigte.

Anfangs konnten die PNP-Symptome mit Hilfe von herkömmlichen Medikamenten, die zur Behandlung neuropathischer Schmerzen eingesetzt werden, gemindert werden (z. B. Gabapentin).

Dann zwangen ihn die Schmerzzustände aber dazu, seine Arbeit aufzugeben, und selbst das Opioid Oxycodon half nur noch geringfügig.

Unabhängig davon wurde der Patient aufgrund eines Vitamin-D-Mangels mit einer Vitamin-D-Supplementierung behandelt.

Und siehe da: Plötzlich besserten sich die neuropathischen Symptome innerhalb von 2 Wochen so merklich, dass sogar das Opioid abgesetzt werden konnte.

Professor Bell kam zum Schluss, dass sich eine Vitamin-D-Supplementierung bei nachgewiesenem Vitamin-D-Mangel sehr positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken könne und zudem – anders als Schmerzmittel – keinerlei Schäden nach sich ziehe.

Es ist zwar noch unklar, warum sich durch die Korrektur des Vitamin-D-Spiegels die PNP-Symptome bessern, so kann es beispielsweise sein, dass dadurch „lediglich“ die Schmerzgrenze angehoben wird.

Im Labor konnten jedoch bereits Erkenntnisse gewonnen werden, die darauf hindeuten, dass Vitamin D in der Tat den Nervenwachstumsfaktor positiv beeinflussen kann.